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Broschüre "Qualität im Städtebau" - Allgemeine Leitlinien -
Vorwort

Brauchen wir in Zeiten eines angespannten Marktes Leitlinien im Städtebau?

Planungsdezernent Mike Josef (in der Mitte) im Gespräch mit Simone Zapke, Amtsleiterin der Bauaufsicht und Martin Hunscher, Amtsleiter des Stadtplanungsamtes, © Stadtplanungsamt Stadt Frankfurt am Main

Was ist der Anlass für die Frankfurter Leitlinien?

Anknüpfend an langjährige gemeinsame Aktivitäten von Bauaufsicht und Stadtplanungsamt zur Qualität im Wohnungsbau haben wir unsere schon bestehenden Leitlinien aufgrund der Erfahrungen aus der Bauberatung und anlässlich der neu entwickelten Qualitätsstandards aus der Wohnungsbauförderung überarbeitet.
Aktuelle Anforderungen an ein nachhaltiges Bauen  mit Themen wie Bebauungsdichte und Freiflächengestaltung  wurden ebenfalls berücksichtigt.
Mit den Leitlinien möchten wir gleichzeitig zur in den vergangenen Jahren oft lebhaft geführten Diskussion über die Baukultur in Frankfurt am Main beitragen. Zu dieser Diskussion gehört auch eine teils massiv vorgetragene Kritik an realisierten Projekten - sei es an  einzelnen Bauten, ganzen Stadtquartieren oder auch an Platzgestaltungen. Wir nehmen diese Kritik sehr ernst und möchten sie produktiv für die anstehenden Aufgaben und zukünftigen Projekte nutzen.


Was soll erreicht werden und an wen wenden sich die Leitlinien?

Ziel der Broschüre ist es, das Thema Qualität im Städtebau stärker im Bewusstsein aller am Bauen Beteiligter zu verankern und die fachliche Position und damit die erwarteten Standards des Dezernates für Planen und Wohnen deutlich zu definieren. Insofern wenden sich die Leitlinien sowohl nach innen an die Verwaltung, als auch nach außen an die Architektenschaft, die Projektentwickler und Projektentwicklerinnen, die privat Bauenden und natürlich an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger.
Die Leitlinien sollen beim Erstellen von Bebauungsplänen, beim Aushandeln städtebaulicher Verträge und  bei der Bauberatung Berücksichtigung finden.


Gesprächsrunde mit Planungsdezernent Mike Josef, © Stadtplanungsamt Stadt Frankfurt am Main

Welche Rolle spielt Qualität vor dem Hintergrund eines aktuell angespannten Wohnungsmarktes?

Bei aller Notwendigkeit, möglichst rasch möglichst viele Wohnungen neu zu schaffen, darf dies nicht dazu führen, dass Qualität gegen Quantität ausgespielt wird. Mangelnde Qualität widerspricht allen Nachhaltigkeitsforderungen und wird langfristig zum Problem, die Akzeptanz der gebauten Umwelt zu erhalten.
Darüber hinaus kann es aus Sicht der öffentlichen Planungsverwaltung keinen besseren Zeitpunkt geben, städtebauliche Qualitäten einzufordern, da aktuell die Bauwirtschaft boomt und hohe Renditen sicher erzielt werden können.


Steht die städtebauliche Qualität im Widerspruch zur Wirtschaftlichkeit?

Nein - Qualität im Städtebau bedeutet nicht, auf wirtschaftliche Lösungen zu verzichten. Vielmehr geht es bei dieser Fragestellung darum, einen Ausgleich zwischen Rendite, sozialer Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit zu schaffen.
An Beispielen wird es deutlich. Eine gut proportionierte Fassade ist erst einmal nicht teurer als eine monoton oder schlecht gestaltete Fassade. Gute Fassaden fördern die kurz- und langfristige Akzeptanz von Quartieren. Auch die auf den ersten Blick höhere Anfangsinvestition für eine hochwertige Stein- oder Klinkerfassade (z.B. im Vergleich mit einer einfachen Thermohaut) relativiert sich, wenn man die längere Haltbarkeit und gegebenenfalls geringere Instandhaltungskosten berücksichtigt.
Ein gutes Beispiel im Wohnungsbau ist auch die Flächeneffizienz: Die Anzahl der Wohnungen, die mit einem Treppenhaus je Geschoss erschlossen werden, beeinflusst die Wirtschaftlichkeit der Gebäude bei der Erstinvestition in ganz erheblichem Maß. Gleichzeitig wissen wir aus der Vergangenheit, dass eine reine Optimierung der Flächen (möglichst viele Wohnungen an einem Treppenhaus) oft zu mangelnder Identifikation der Bewohner mit ihrem Haus und dem Verlust sozialer Kontrolle verbunden ist. Daraus resultierende Kosten für den Betrieb der Gebäude sind häufig ebenfalls erheblich.
Mit den Neu- und Umbauten gestalten wir die Stadt mindestens für die kommenden Jahrzehnte. Unser Fokus muss deshalb auf einer langfristigen Rendite im Sinne eines nachhaltigen Bauens liegen.


Planungsdezernent Mike Josef (in der Mitte) im Gespräch mit Simone Zapke, Amtsleiterin der Bauaufsicht und Martin Hunscher, Amtsleiter des Stadtplanungsamtes, © Stadtplanungsamt Stadt Frankfurt am Main

Welche Faktoren beeinflussen die städtebauliche Qualität?

Beeinflusst wird die Qualität von einer Vielzahl von Akteuren und Faktoren, die untereinander vernetzt sind und auch unterschiedlichen Einflüssen unterliegen.
Bürgerinnen und Bürger, Politik, Verwaltung, Investorenschaft, Bauherrnschaft, Fachöffentlichkeit, Planer und Planerinnen als die handelnden Personen auf der einen Seite – die enorme Herausforderung, Ökonomie, Ökologie und Soziales in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen auf der anderen Seite. Die kommunale Planungskultur, die Organisationsformen und -strukturen und nicht zuletzt der Zeitgeist spielen ebenfalls eine Rolle.
Unsere Leitlinien sind nur ein kleines Puzzlestück für ein Gesamtbild einer qualitätvollen und lebenswerten Stadt. Dass dieses Bild entsteht, dazu tragen alle verantwortlichen Akteure bei.


Gibt es außer den Leitlinien weitere Instrumente zur langfristigen Qualitätssicherung?

Leitlinien zu entwickeln, ist nur ein Teil der Aufgabe. Anschließend sind die Kriterien im Alltag anzuwenden – so bei der Erstellung von Bebauungsplänen, Gestalt- und Erhaltungssatzungen aber auch bei städtebaulichen und hochbaulichen Wettbewerben, bei städtebaulichen Verträgen zur Sicherung der Bebauungspläne und bei der alltäglichen Bauberatung.
Erfolgreich in der Umsetzung werden wir nur sein, wenn es zwischen den Beteiligten ein gemeinsames Grundverständnis zu Qualitäten im Städtebau gibt. In diesem Sinne brauchen wir einen fortlaufenden Dialog.
Um das Thema nicht aus dem Fokus zu verlieren, beabsichtigt das Dezernat Planen und Wohnen, hierzu regelmäßig öffentliche Symposien durchzuführen.

Wir freuen uns auf einen konstruktiven Dialog.

Mike Josef,
Simone Zapke und
Martin Hunscher