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Kulturcampus Bockenheim

Ein innovativer Transformationsprozess

Thema:
Kultur, Kindertagesstätte, Wohnen, Gewerbe, Hochschule
Stadtteil: Ortbezirk:
2, 7
Gebietsgröße:
16,7 ha
Kontakt:

Frau Irmgard Huber
Telefon: +49 (0)69 212 30458


Projektbeschreibung

Planungsanlass
Der Umzug der Goethe-Universität und die damit verbundene Konzentration von Lehre und Forschung an den Standorten Campus Westend und Campus Riedberg bedingt, das bestehende Campusgelände in Bockenheim aufzugeben. Der Kulturcampus Bockenheim befindet sich seit dem schrittweisen Umzug der Universität ab den 2010er Jahren in einem andauernden Transformationsprozess. Aus einem ehemaligen Universitätsstandort entwickelt sich ein vielfältiger Stadtbaustein. Geplant ist es, die Fläche mit Kultur, Bildung, Arbeit und Wohnen zu nutzen sowie attraktiven Grün- und Freiräume zu schaffen.

Die Entwicklung erfolgt etappenweise. Hierbei sollen denkmalpflegerische, funktionale und städtebauliche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Die Grundlage für die Planung ist ein umfassender Bürgerbeteiligungsprozess. Im Jahr 2011 und 2012 fanden Planungswerkstätten statt. Dazu kommen die Bebauungspläne „Senckenberganlage / Bockenheimer Warte“ sowie „Gräfstraße / Sophienstraße". Damit wurden die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung der freiwerdenden Flächen geschaffen.

Planungsgebiet
Der Kulturcampus Bockenheim liegt innenstadtnah in den Stadtteilen Bockenheim und Westend, westlich des Anlagenrings (Senckenberganlage und Zeppelinallee). Im Norden wird er von der Sophienstraße und im Süden von der Georg-Voigt-Straße begrenzt. Weiter südlich schließt sich das Messegelände an. Das gesamte Gebiet umfasst vier Straßenblöcke und hat eine Größe von ca. 16,7 Hektar.

Der Kulturcampus bietet Potenzial für eine Flächenentwicklung für Wohnen und Gewerbe. Zudem ermöglicht die Neustrukturierung die Stärkung vorhandener sowie die Ansiedlung weiterer Kultureinrichtungen. Somit kommt der Neustrukturierung eine wichtige Bedeutung für den Stadtteil und die Gesamtstadt zu.

Planungsziele
Die Idee des Kulturcampus Frankfurt entstand mit der Entscheidung, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) auf die ehemaligen Universitätsflächen zu verlagern. Die offene Struktur mit unterschiedlichen Gebäuden und Nutzungen schafft neue Orte der Begegnung und fördert den Austausch zwischen Kultur, Kunst, Wissenschaft, Bildung und Wohnen. Der Kulturcampus öffnet sich zum Stadtteil und wirkt als Bindeglied zwischen Westend und Bockenheim. 

Ursprünglich als Abriss und Neubau geplant, wird das Areal inzwischen mit dem Leitbild der bestandsorientierten Transformation weiterentwickelt: Bestehende Gebäude werden, wo möglich, erhalten und optimiert, zugleich entstehen neue bauliche Strukturen. So werden das städtebauliche Erbe und die Geschichte des Ortes bewahrt und mit zeitgemäßen Nutzungen ergänzt.
Als kooperativ angelegtes Projekt setzt der Kulturcampus auf offene Formate und niedrigschwellige Beteiligung. Die Verbindung unterschiedlicher kultureller Nutzungen schafft Synergien und trägt zu einem lebendigen, vielfältigen Stadtraum bei.

Durch neue Grünflächen, verbesserte Durchwegungen und Maßnahmen der ökologischen Transformation entstehen hochwertige öffentliche Räume. Mit der Ansiedlung der HfMDK, dem anstehenden Architektenwettbewerb und den bestehenden Zwischennutzungen wird das Zukunftsbild schrittweise umgesetzt.

Bereits heute wird der Kulturcampus neben den Bestands- und Nachnutzungen durch vielfältige (Zwischen)nutzungen erlebbar: Das Bockenheimer Depot, das Senckenberg Naturmuseum und das Tibethaus sind etabliert. Das Studierendenhaus ist weiterhin ein wichtiger Ort für studentische und zivilgesellschaftliche Organisationen. Das Interim der Schirn Kunsthalle sowie das 2og:dondorf in der Dondorf Druckerei setzen weitere kulturelle Impulse. Mit Formaten wie dem Kulturcampus Open Air, temporären Nutzungen sowie Aktivitäten zivilgesellschaftlicher Akteure wie dem Offenen Haus der Kulturen e. V. ist das Areal bereits heute ein wichtiger Ort für Kultur und Austausch.
 
Projektverlauf

Nächste Planungsschritte:

  • 2028: Auf der Basis des Bebauungsplan „Senckenberganlage / Bockenheimer Warte" werden voraussichtlich erste Baumaßnahmen auf den frei werdenden Flächen starten.
  • Ende 2027: Die Goethe-Universität plant ihre Liegenschaften aufzugeben und ihre Flächen an die ABG zu übergeben. Die Flächen für die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) bleiben im Besitz des Landes Hessen.

2020:

  • Konzeptvergabe für das ehemalige Gebäude der Akademie der Arbeit für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt.
  • Fertigstellung des 140 Meter hohen Hybridhochhauses ONEFORTYWEST auf dem ehemaligen AfE-Areal.

2019:

  • Massenstudie für das Zentrum der Künste als Voruntersuchung zur Vorbereitung eines Wettbewerbsverfahrens mit dem Land Hessen.
  • Baubeginn des 99 Meter hohen Hochhauses  „Senckenberg Turm" und des  Projekts „Terrapoda" auf dem ehemaligen AfE-Areal.

2018:

  • Wettbewerb für das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik auf dem Gelände der ehemaligen Dondorfschen Druckerei.
  • Baubeginn des 140 Meter hohen Hochhauses ONEFORTYWEST auf dem ehemaligen AfE-Areal.

2017:

  • Wettbewerb für die Bebauung des ehemaligen AfE-Areals mit einem 99 Meter hohen Hochhaus („Senckenberg Turm").
  • Wettbewerb für die Jüdische Akademie. Umnutzung einer ehemaligen Universitätsvilla im Süden des Areals für das Tibethaus. Fertigstellung des Philosophicums.

2016:

  • Inkrafttreten des Bebauungsplans Nr. 569 „Senckenberganlage / Bockenheimer Warte“.
  • Wettbewerb für die Bebauung des ehemaligen AfE-Areals mit einer städtebaulichen Figur für das gesamte Baufeld einschließlich eines 140 Meter hohen Hochhauses.
  • Baubeginn des ersten Bauabschnitts für den Umbau und die bauliche Erweiterung des Senckenberg Naturmuseums mit Jügelbau und Alter Physik.
  • Baubeginn des Umbaus des Philosophicums von einem Hochschulgebäude zu einem Studierendenwohnheim mit Kindertagesstätte.
  • Umnutzung der vier westlichen Villen von Universitätsnutzungen zu Wohnnutzungen. Zwischennutzung der ehemaligen Mensa als Flüchtlingsunterkunft.

Historie vor 2016




Mehr Informationen

Transformationsprozess

Ein Maß an Offenheit der Planung der rahmengebenden Plangrundlagen ermöglicht auch nicht vorhersehbare Entwicklungen. Diese Flexibilität entspricht dem Ziel, ein lebendiges Stadtquartier zu schaffen, das auch künftig eng mit dem Stadtteil Bockenheim verwoben ist.

Die Transformation eines mit universitären Nutzungen bebauten innerstädtischen Areals ist kompliziert, vielschichtig und langwierig. Sie bedarf nicht nur einer Satzung über Planungsrecht, sondern auch vielfältige vertragliche Sicherungen und Vereinbarungen und ein gemeinsam entwickeltes Planungsverständnis der Akteur:innen. Dabei gilt es auch bei aktuell geänderten Rahmenbedingungen die thematisch bestehenden, konkurrierende Ansprüche an die Flächen aufzulösen.

Zwischennutzungen konnten erfolgreich etabliert werden, wobei eine moderierende städtische Begleitung zielführend war. Die zeitliche Perspektive der Zwischennutzungen eröffnet Handlungsspielräume, in denen Entscheidungen vorzudenken und zu treffen sind, damit die nachfolgende städtebauliche Entwicklung und Transformation des Gebietes zielgerichtet vorbereitet werden können.


Kulturcampus Nord

Die Dondorf-Druckerei zählt zu den bedeutenden Industriegebäuden in Bockenheim. Seit Herbst 2025 wird das Gebäude von der Schirn Bockenheim genutzt. © Stadt Frankfurt

 

Baufeld Nord
Die neue Gestaltung des Baufeldes Nord (Bebauungsplan 884 „Gräfstraße/ Sophienstraße") mit Wohnen bildete bereits 2012 den Auftakt, um rund 200 Wohneinheiten zu schaffen. Ergänzend wird ein städtebaulich integriertes Angebot an Einzelhandel mit Cafénutzung in den Erdgeschosszonen der Blockrandbebauung geschaffen, das sich zur Gräfstraße und dem Carlo-Schmid-Platz erschließt.  
Mehr Informationen zum Wohngebäude Campus Bockenheim, Stefan Forster Architekten.


Dondorf-Druckerei

Die Dondorf-Druckerei an der Bockenheimer Landstraße 136 zählt zu den bedeutenden Industriegebäuden in Bockenheim. Sie wurde bereits 1873 von dem Verleger B. Dondorf errichtet und steht exemplarisch für die Frankfurter Druck- und Verlagsgeschichte. Der markante Schornstein sowie spätere Erweiterungen und Umbauten prägen das Gebäude bis heute. Das noch erhaltene Ensemble von Bauten erinnert auch an die Geschichte der jüdischen Unternehmerfamilie Dondorf.

Das Bestandsgebäude verbleibt im Eigentum des Landes Hessen. Die Zukunft der Druckerei war über viele Jahre Gegenstand intensiver Diskussionen im Stadtteil. Zivilgesellschaftliche Initiativen wie die „Freunde Bockenheims“ und die Initiative Dondorf haben maßgeblich zum Erhalt des Gebäudes beigetragen. Dazu kamen öffentliche Proteste, darunter auch eine temporäre Besetzungen im Jahr 2023. 
Seit Herbst 2025 wird das Gebäude im Rahmen einer Interimsnutzung von der Schirn Bockenheim genutzt; Grundlage ist ein direkter Nutzungsvertrag mit dem Land Hessen. Das Gebäude bleibt erhalten und soll langfristig – auch im Zusammenhang mit den Planungen für die HfMDK– als Bestandteil des Kulturcampus weiterentwickelt werden. 

Im sogenannten 2og:dondorf (2. Etage) der Druckerei ist ein niedrigschwellig zugänglicher Ort für die Zivilgesellschaft entstanden. Er lebt von Engagement und ermöglicht Teilhabe. Eine Mischung aus Studios sowie einem einladenden Foyer und ansprechendem Veranstaltungsraum gibt interessierten Akteuren die Möglichkeit, niedrigschwellig zusammenzukommen und sich auszutauschen. Der Freiraum soll insbesondere auch für die Nachbarschaft kreative Formate und innovative Projekte fördern. 


Bockenheimer Depot
Das Bockenheimer Depot wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Straßenbahndepot errichtet. Heute wird das denkmalgeschützte Gebäude als Spielstätte für Oper, Schauspiel und freie Kulturformate genutzt. Die Dresden Frankfurt Dance Company ist eine der Stammnutzerin. Das Depot bildet einen kulturellen Anker des Kulturcampus und stärkt dessen öffentliche Wahrnehmung als Kulturstandort


Universitätsbibliothek und Philosophicum
Die Universitätsbibliothek wurde als zentrale wissenschaftliche Infrastruktur der Goethe-Universität errichtet und bleibt auch weiterhin als zentrale Bibliothek erhalten. Sie ist mit über elf Millionen Medieneinheiten eine der größten Universitätsbibliotheken in Deutschland. Der Gebäudebestand steht teilweise unter Denkmalschutz und ist Teil des architektonischen Erbes der von Ferdinand Kramer geprägten Universitätsbauten. Von diesen wurderen mehrere bereits um das Jahr 2000 unter Denkmalschutz gestellt. Der Bibliotheksstandort bleibt langfristig erhalten.

Nach der Errichtung der Wohngebäude wurde nördlich des Depots mit der Erweiterung und Umnutzung des denkmalgeschützten Philosophicums an der Gräfstraße weiterer Wohnraum auf dem Kulturcampus geschaffen. Hier wurden 238 Apartments für Studierende sowie eine Kindertagestätte bereitgestellt. Diese gingen im erweiterten Gebäude des Philosophicums 2017 vollständig in Betrieb. 

Die Bauten von Architekt und Designer Ferdinand Kramer prägten das Erscheinungsbild des Frankfurter Universitätsstandorts nachhaltig; Teile dieses Bestands wurden um das Jahr 2000 unter Denkmalschutz gestellt. Ferdinand Kramer  wurde 1952 nach Frankfurt berufen und war bis 1964 Baudirektor an der Universität. In Anknüpfung an die klassische Moderne des „Neuen Frankfurt“ und an funktionalistische Leitideen – etwa von Ludwig Mies van der Rohe – setzte er auf effizientes Bauen mit minimalen Mitteln. Aus ästhetischer Überzeugung und aufgrund knapper Ressourcen verzichtete er weitgehend auf repräsentative Elemente.


Kulturcampus Mitte

Im Rahmen des EU-geförderten Projekts „Vision 31“ entsteht seit Herbst 2025 in der ehemaligen Kunstbibliothek ein offener Ort für Kunst, Kultur und Begegnung, der dem Leitmotiv „Ressourcen teilen“ folgt. © Stadt Frankfurt


Flächen für die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK)
Die Idee des Kulturcampus sah von Anfang an vor, dass die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) zentraler Bestandteil werden soll. Im März 2025 traf das Land Hessen die Entscheidung an der Ansiedlung der Hochschule auf dem Kulturcampusareal festzuhalten und die HfMDK dort zu entwickeln.

Die daraufhin positiv beschiedene Bauvoranfrage für einen Neubau im Baufeld südlich der Bockenheimer Landstraße definiert die städtebaulichen Rahmenbedingungen. Sie bildet die Grundlage für weitere Planungen und die Auslobung eines Architektenwettbewerbs. Insgesamt verteilt sich die HfMDK am Kulturcampus mit seinen unterschiedlichen Nutzungsbereichen auf drei Liegenschaften: 

Dondorf-Druckerei (nördlich der Bockenheimer Landstraße)
Die Dondorf-Druckerei wird in die Hochschulentwicklung integriert und soll künftig insbesondere Verwaltungsbereiche aufnehmen. Ergänzende Neubauten schaffen die erforderlichen Flächen für Unterrichts- und Proberäume.

Tortengrundstück (nördlich der Bockenheimer Landstraße)

Auf diesem Baufeld ist studentisches Wohnen in Kooperation mit dem Studierendenwerk vorgesehen. Im Erdgeschoss entsteht ergänzend eine öffentlich zugängliche Hochschulmensa.

Hauptgebäude (südlich der Bockenheimer Landstraße)
Hier entsteht das zentrale Hochschulgebäude mit Unterrichts-, Proben- und weiteren Flächen für Studium und Lehre. Voraussetzung ist der Rückbau des Labsaals sowie der ehemaligen neuen Mensa der Goethe-Universität samt der Tiefgarage, mit der das gesamte Campusareal in diesem Bereich unterbaut ist.


Juridicum
Das Juridicum wurde in den 1960er-Jahren als Fakultätsgebäude der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften errichtet. Der Umgang mit dem Bestand steht exemplarisch für die Debatte um Abriss und Neubau: In den ursprünglichen Planungen war vorgesehen, das Juridicum abzureißen, obwohl über die Frage, ob das Juridicum erhaltenswert sei oder nicht seit jeher gestritten wurde. Doch angesichts Veränderungen in der Baukultur und eines wachsenden Bewusstseins für Ressourcenschonung werden inzwischen auch Alternativen zum Abriss in den Blick genommen. 
Im Rahmen des „Zukunftslabors Juridicum“ wurden seit Januar 2026 im Auftrag der Stadt Frankfurt und in Kooperation mit dem Frankfurter Forschungsinstitut (FFin) der Frankfurt University of Applied Sciences vier Varianten untersucht: 

  • der Kompletterhalt für Wohnen
  • der Kompletterhalt für Wohnen in Kombination mit Bildung, Gewerbe und Büro
  • der Teilerhalt 
  • der Komplettabriss mit anschließendem Neubau

Die Prüfung erfolgt ergebnisoffen. Ziel ist es, anschließend eine Empfehlung für den Umgang mit dem Bestandsgebäude an die Stadt Frankfurt und die ABG Frankfurt Holding als zukünftige Eigentümerin aussprechen zu können. 


Frankfurt LAB
Die Flächen der ehemaligen Kunstbibliothek sind perspektivisch für den Neubau des Frankfurt LAB vorgesehen; das Bestandsgebäude wird hierfür abgerissen. Das Frankfurt LAB erhält einen Eingangsbereich zur Senckenberganlage und umfasst eine Probebühne im Obergeschoss sowie einen ebenerdigen, direkt zugänglichen und anlieferbaren großen Saal (ca. 30 × 50 Meter). Damit werden die Raumbedarfe vollständig erfüllt und die räumliche Situation gegenüber dem bisherigen Standort deutlich verbessert. 


Ehemalige Kunstbibliothek / Vision31
Die ehemalige Kunstbibliothek wurde zuerst als juristische später als kunsthistorische universitäre Fachbibliothek genutzt und steht seit 2022 leer. Seit Herbst 2025 wird das Gebäude im Rahmen einer Zwischennutzung durch das EU-geförderte Projekt „Vision 31“ aktiviert. Das Bündnis aus Kultur, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft – getragen vom Offenen Haus der Kulturen e. V., Making Frankfurt, der Frankfurt University of Applied Sciences sowie dem Dezernat Kultur und Wissenschaft – steht für eine interdisziplinäre und gemeinwohlorientierte Entwicklung des Standorts.

Unter dem Leitmotiv „Ressourcen teilen“ entsteht hier schrittweise ein offener Ort für Kunst, Kultur und Begegnung. Die Zwischennutzung dient als Modellprojekt für partizipative Stadtentwicklung und erprobt im Kleinen bereits zentrale Ansätze des zukünftigen Kulturcampus. In einem co-kreativen Beteiligungsprozess werden gemeinsam mit Initiativen und Akteuren erste Nutzungs- und Veranstaltungskonzepte entwickelt.

Voraussetzung dafür ist eine schrittweise bauliche Ertüchtigung, insbesondere in den Bereichen Haustechnik und Brandschutz. Im Obergeschoss (ca. 1.330 m²) entsteht ein flexibel nutzbarer Veranstaltungsraum für bis zu 800 Besucher:innen, ergänzt durch eine multifunktionale Fläche im Erdgeschoss (ca. 300 m²). 


Akademie der Arbeit
Im Jahr 1957 wurde das Gebäude der Akademie der Arbeit (AdA) auf dem Bockenheimer Universitätscampus erbaut. Die Akademie der Arbeit selbst wurde bereits in den 1920er-Jahren als Bildungseinrichtung für Gewerkschaften gegründet. Mit dem Ankauf des Gebäudes 2019 wurde die Basis für die Weiterentwicklung zu einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt gelegt.

Zurzeit beherbergt es Zwischennutzungen, darunter die ada_kantine und verschiedene Ateliers, die über basis e.V. vergeben werden. Das Wohnheim bietet günstigen Wohnraum für Menschen in Ausbildung. 

Im Jahr 2020 hat die Genossenschaft Adaptiv im Rahmen eines Konzeptverfahrens den Zuschlag erhalten. Aufgrund unvorhersehbarer Kostensteigerungen sowie herausfordernden Rahmenbedingungen konnte es jedoch nicht in die Realisierung gehen. Die Stadt Frankfurt wird die Liegenschaft über Konzeptverfahren daher erneut – unter veränderten Rahmenbedingungen – an ein:e gemeinwohlorientierte Akteur:in vergeben.


Kulturcampus Süd

Als international bedeutender Wissenschafts- und Museumsstandort ist Senckenberg ein zentraler Impulsgeber für den Kulturcampus und stärkt die Verbindung von Forschung, Bildung und öffentlicher Wissensvermittlung im Quartier. © Stadt Frankfurt


Senckenberg Museum und Institut

Das Senckenberg Museum und die angeschlossenen Institute wurden Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und kontinuierlich erweitert. Der Auszug der Goethe-Universität aus den Jügelbau eröffnete bereits 2016 eine weitere bauliche Entwicklung und Erweiterung des Senckenberg-Ensembles. Durch ein gläsernes Verbindungselement zwischen dem Alten Physikalischen Verein, des bestehenden Senckenbergmuseums und des Jügelbaus entstand eine moderne Museums- und Forschungseinheit im Zentrum des Kulturcampus. 

Die Senckenberg Gesellschaft führt bis Ende 2026 ein zweiphasiges Wettbewerbsverfahren für weitere Neubau- und Ergänzungsbedarfe einschließlich eines neuen Planetariums durch. Das Land Hessen beabsichtigt, in den kommenden Jahren weitere Mittel für eine umfassende Sanierung und Erweiterung des Standorts in Frankfurt („Neues Museum Frankfurt“) bereitzustellen.

Als international bedeutender Wissenschafts- und Museumsstandort ist Senckenberg ein zentraler Impulsgeber für den Kulturcampus und stärkt die Verbindung von Forschung, Bildung und öffentlicher Wissensvermittlung im Quartier. 


Auf dem ehemaligen AfE-Areal wurde das Bürohochhaus „99 West“ (2021) und das 140 m hohe Hybridhochhaus ONEFORTYWEST (2020) errichtet. Das Fernheizwerk wurde nach dem Entwurf des Architekten Ferdinand Kramer 1953 realisiert. © Stadt Frankfurt


Fernheizwerk 

Das Fernheizwerk wurde nach dem Entwurf von Ferdinand Kramer 1953 errichtet und 1968 erweitert. Damit wurde für den Campus der Goethe-Universität eine autarke Wärmeversorgung gesichert. Das Gebäude ist als Klinker-ausgefachtetes Betonfachwerk konzipiert und folgt funktionalen Gestaltungsprinzipien der Moderne; seine Formensprache steht im Kontext der amerikanisch geprägten Campus-Architektur.

Das Fernheizwerk ist westlich des Zoologischen Instituts an Stelle kriegszerstörter Wohnhäuser platziert. Seit der Sprengung des AfE-Turms prägt der rund 120 Meter hohe Schornstein mit seinem charakteristischen „Elefantenfuß“ erneut die Silhouette des Quartiers und fungiert als städtebauliche Dominante. 

Das Fernheizwerk inklusive Schornstein stehen seit 2025 unter Denkmalschutz und befinden sich im Eigentum des Landes. Seit 2015 wird das Gebäude nicht mehr für die Wärmeversorgung genutzt, da der Campus an das Fernwärmenetz angeschlossen ist. Perspektivisch bietet der Standort Potenziale für eine Umnutzung im Kontext der weiteren Campusentwicklung.


Ehemaliges AfE-Areal
Die Entwicklung des Kulturcampus startete mit der Bebauung eines Bereichs, der sich durch hohe Verdichtung auszeichnet - dem ehemaligen AfE-Areal. Bereits 2016 wurde in einem städtebaulichen Wettbewerb die stadträumliche Figur für das gesamte Baufeld und die Architektur für den 140 m hohen Hochhausturm an der Senckenberganlage ermittelt.

Das Hybridhochhaus mit Flächen für insgesamt 186 Wohnungen, Hotel und Veranstaltungen steht im Mittelpunkt des Gebäudeensembles. Im Oktober 2017 konnte der Wettbewerb für das die nord-östliche Baufeldecke markierende Bürohochhaus „99 West“ entschieden werden. Auf Grundlage der Siegerentwürfe wurde das gemischt genutzte, offene Quartier entwickelt, welches auch ein 6- geschossiges Bürogebäude und eine große Kindertagessstätte mit großzügigem Außenbereich umfasst. 

Nach Fertigstellung des 140 m Hybridhochhauses in 2020, des 99m Büroturms in 2021 wurde das Stadtquartier bis 2023 bezogen. 


Villen
Die westlichen vier der ehemaligen Professorenvillen im Süden des Kulturcampus konnten bereits 2016 zu Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 16 Wohneinheiten umgenutzt werden. 


Tibethaus

Daneben wurde im September 2017 das Tibethaus nach dem Umzug in eine der ehemaligen Professorenvillen feierlich eingeweiht. Damit befindet sich nun auf 600 Quadratmetern die größte tibetische Dependance in Europa und bereichert als weiterer kultureller Akzent das neue Quartier.


Neubau Jüdische Akademie
Auf dem Villengrundstück an der Senckenberganlage errichtet der Zentralrat der Juden in Deutschland eine Jüdische Akademie mit finanzieller Unterstützung der Stadt. Bereits 2017 wurde hierzu ein Architekturwettbewerb durchgeführt. Die Jüdische Akademie umfasst einen Neubau sowie ein Bestandsgebäude, die durch einen eingeschossigen, verglasten Baukörper miteinander verbunden sind und wird 2026 fertiggestellt.

Die Akademie wird künftig ein zentraler Ort jüdischer Bildung, Kultur und Debatte sein und den Kulturcampus inhaltlich wie gesellschaftlich erweitern. Als erste überregionale jüdische Institution dieser Art, die nach der Schoa in Deutschland neu errichtet wird, besitzt sie eine besondere historische und gesellschaftliche Bedeutung und wirkt als intellektuelles Zentrum und Anziehungspunkt weit über Frankfurt hinaus. 


Nutzungen Kulturcampus

BU: Wohnen ist ein zentraler Bestandteil der Idee des Kulturcampus. Im Fokus stehen bezahlbarer Wohnraum und eine große Vielfalt an Wohnformen.© Stadt Frankfurt


Wohnen auf dem Kulturcampus 

Wohnen ist ein zentraler Bestandteil der Idee des Kulturcampus. Im Fokus stehen bezahlbarer Wohnraum und eine Vielfalt an Wohnformen. Dazu zählen:

  • Studierendenwohnen
  • Wohnraum für Auszubildende 
  • 15 Prozent für gemeinschaftliche Wohnprojekte 
  • klassischer geförderter Wohnungsbau
  • freifinanzierter Wohnungsbau

Ziel ist, ein gemischtes Quartier, das unterschiedliche Lebensentwürfe ermöglicht und zur sozialen Vielfalt des Standorts beiträgt. 


Der Wohnungsbau liegt in der Zuständigkeit der ABG Frankfurt Holding. Ziel ist ein gemischtes Quartier, das unterschiedliche Lebensentwürfe ermöglicht.© Stadt Frankfurt


Wohnungsbau

Der Wohnungsbau liegt in der Zuständigkeit der ABG Frankfurt Holding. Bereits im Sommer 2011 erwarb die ABG Frankfurt Holding große Teilflächen des ehemaligen Campus Bockenheim vom Land Hessen. Damit wurde ein geregelter Übergang der Flächen an die ABG sichergestellt. Ziel ist ein energieeffizientes Modellquartier, das Wohnen, Arbeiten und Freizeit miteinander verbindet. Aufgrund verschiedener Entwicklungen verschob sich der Prozess der Aufgabe der universitären Flächen nach hinten. 

Potenzial für rund 1.000 Wohnungen

Der Grundsatzbeschluss zur Wohnbaulandentwicklung § 4542 vom 22.05.2014 (M 9) benennt Flächen in Frankfurt, auf denen durch die Aufstellung von Bebauungsplänen neuer Wohnraum entstehen kann. Für den Kulturcampus ging der Beschluss von einem Potenzial von etwa 1.200 Wohneinheiten aus. Das Wohnbauland-Entwicklungsprogramm des Stadtplanungsamtes, das die Prognosewerte aus dem Grundsatzbeschluss fortschreibt, weist aktuell ein Potential von rund 1000 Wohneinheiten auf dem Baufeld Süd aus (Bebauungsplan „Senkenberganlage/ Bockenheimer Warte“). 


Kindertagesstätten
Die Entwicklung des Kulturcampus bedingt auch die Errichtung von Stätten der Kinderbetreuung. Sie dienen der Versorgung der zukünftig neu entstehenden Wohngebiete. 

Die Kinderbetreuungseinrichtungen werden sowohl im Bestand als auch im Studierendenhaus erhalten. Hinzu kommen die Umsetzung bei Neubauvorhaben wie dem Philisophicum und dem AfE-Areal. Die Kita auf dem AfE-Areal nutzt die Freiflächen der angrenzenden Gemeinbedarfsfläche Kita und wird aktuell um einen weiteren Neubau entlang der Senckenberganlage ergänzt. Damit werden bereits heute die Kita-Bedarfe für die künftige Wohnnutzung gedeckt.


Freiflächen und öffentlicher Raum
Die ehemalige Bockenheimer Landwehr wird als durchgehende öffentliche Grünfläche in Nord-Süd-Richtung in den Bebauungsplan „Senckenberganlage / Bockenheimer Warte“ überführt. Sie dient künftig der notwendigen Durchlüftung des Quartiers.  Gleichermaßen wird sie zur Kompensation für die höhere bauliche Ausnutzung der angrenzenden Baufelder genutzt. Die durchgehende öffentliche Grünfläche weitet sich in mehreren Abschnitten auf. 

Die Bockenheimer Landwehr verknüpft die neue Jügelstraße und macht sie mit den dort angesiedelten kulturellen Nutzungen zugänglich. Gleiches gilt für den neuen Museumspark des Senckenbergmuseums sowie die Mesokosmenhalle im südlichen Parkbereich. Die räumliche Öffnung der Grünflächen zur Robert-Mayer-Straße dient zudem der besseren Wahrnehmung und Sichtbarkeit des Senckenberg-Museums.

Ziel ist, dass damit alle öffentlichen Freiräume eine hohe Gestaltungs- und Aufenthaltsqualität aufweisen. Hierzu wird in dem noch ausstehenden Freiraumwettbewerb für alle öffentlichen Wege-, Platz- und Grünflächen ein einheitliches Gestaltungs- und Freiflächenkonzept entwickelt.