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Lyoner Quartier

Von der Brostadt zum Lyoner Viertel

Thema:
Bro, Wohnen
Stadtteil: Ortbezirk:
5, 6
Gebietsgröße:
88 ha
Kontakt:

Herr Matthias Genth
Telefon: +49 (0)69 212 44338
Telefax: +49 (0)69 212 30731


Projektbeschreibung

Planungsanlass
Aufgrund der hohen Büroleerstandsrate in der Bürostadt Niederrad (ca. 250.000 – 300.000 BGF) hat das Stadtplanungsamt Frankfurt am Main einen Rahmenplan erstellt, der aufzeigt, wie aus der dortigen monofunktionalen Struktur künftig ein gemischt genutzter, lebendiger Stadtteil entstehen könnte. Es handelt sich um ein Pionierprojekt, das auch in der Fachwelt Beachtung findet.

Planungsgebiet
Die Bürostadt Niederrad liegt zentral im Frankfurter Stadtgebiet zwischen Flughafen und Innenstadt und ist sehr gut durch Autobahn und S-Bahn angebunden.
Nicht nur der gute Standort im Stadtgebiet, sondern auch die aufgelockerte Bebauungsstruktur mit großen Grünflächen, sowie die räumliche Nähe zu Stadtwald und Main machen die Bürostadt Niederrad auch als Wohnstandort interessant.

Planungsziele
Für die Ansiedelung neuer Nutzungen bieten sich drei grundsätzliche Flächenoptionen für die 88 ha große Kernzone der Bürostadt an:

1.    Umnutzung von Teilflächen des massiven Büroleerstands,
2.    Abriss leerstehender, bautechnisch nicht umnutzbarer Bürogebäude und Neubau von
       Wohngebäuden,
3.    bauliche Nachverdichtung.

Auf diese Weise können verdichtete Block- und aufgelockerte Solitärstrukturen mit großzügigen Grünflächen entstehen. Eine vielfältige Baustruktur ist wiederum interessant für eine gemischte Wohnbevölkerung, die hier, zwischen Mainufer und Stadtwald, ein entsprechendes Umfeld finden würde.
Stadträumlich wird eine bessere Vernetzung sowohl mit den angrenzenden Stadtvierteln Goldstein und Alt-Niederrad als auch mit der Mainuferzone und dem Stadtwald angestrebt sowie eine Verbesserung der Fußwegeverbindungen innerhalb der Bürostadt. Darüber hinaus soll die Versorgungsinfrastruktur gestärkt und eine soziale Infrastruktur etabliert werden.

Es wird ein erhebliches Entwicklungspotential zur Umstrukturierung der Bürostadt Niederrad in ein modernes Arbeits- und Wohnquartier „Lyoner Viertel“ gesehen. Bei der Qualifizierung und Zukunftssicherung des künftigen Lyoner Viertels sind strategische Partner bei der Umwandlung und Aufwertung auf privater Seite gefordert.

Der Erfolg des Projektes wird durch die aktuellen Entwicklungen mehr als bestätigt. Die durch Umnutzung, Neubau und Nachverdichtung am Standort prognostizierten Potentiale für ca. 3.000 neue Wohnungen sind nach Ende der ersten Jahreshälfte 2015 erreicht worden. Am Standort wurden mittlerweile deutlich über 3.000 Wohnungen realisiert, befinden sich aktuell im Bau oder in der Planung. Aufgrund weiterhin vorhandener Flächenpotentiale ist ein Nachfragerückgang mittelfristig nicht zu erwarten.

Projektverlauf
Eine Reihe von Untersuchungen zur Realisierbarkeit des Projektes mündeten 2007 in ein städtebauliches Rahmenkonzept, das schließlich der Aufstellung neuer Bebauungspläne für die Bürostadt zugrunde gelegt wurde. Die beiden Bebauungspläne Nr. 885 „Hahnstraße“ (Inkrafttreten 21.10.2014) und Nr. 872 „Lyoner Straße“ (Inkrafttreten 22.11.2016) machen mit der Festsetzung von Misch- und Kerngebieten den Weg frei für eine städtebauliche Neuordnung der seit Mitte des Jahres in „Lyoner Quartier“ umbenannten Bürostadt Niederrad. Damit sind die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen für eine Umnutzung von leerstehenden Büroflächen zu Wohnraum, eine Nachverdichtung mindergenutzter Flächen sowie die Herstellung der geplanten Grünverbindung zwischen Main und Stadtwald. 

Ergänzend zum vorhandenen, großzügig dimensionierten Straßennetz ist überdies eine attraktive direkte Erreichbarkeit der grünen Quartiersmitte an der Saonestraße und des südlich angrenzenden Stadtwaldes über gebietsinterne Wegeverbindungen für Fußgänger und Radfahrer konzeptionelles Element der Bebauungspläne. Soweit die Wegeverbindungen auf privaten Grünflächen liegen, werden sie durch Geh- und Radfahrrechte zugunsten der Allgemeinheit gesichert. Zur Aufwertung von Erscheinungsbild und Aufenthaltsqualität des öffentlichen Straßenraums sind Baumpflanzungen überall dort festgesetzt, wo die zahlreich vorhandenen Leitungstrassen dies zulassen. Angrenzend an den Stadtwald und an weitläufige Sportanlagen ist überdies der Standort für eine Grundschul- und Kitanutzung durch Festsetzung einer Gemeinbedarfsfläche erstmals planungsrechtlich gesichert worden. Darüber hinaus eröffnen die Bebauungspläne sowohl im Bereich des Bahnhofs Niederrad (Hahnstraße 45) als auch im Bereich des Stadtteilparks an der Saonestraße die Möglichkeit, Quartiersplätze einzurichten und zwar Zug um Zug mit der Realisierung der zulässigen Bebauung.

Bezieht man auch die laufenden Beratungsvorgänge mit ein, dann ist aktuell davon auszugehen, dass in dem rund 86 Hektar umfassenden Quartier ein Umnutzungs- und Neubaupotential für ungefähr 5.000 Wohneinheiten und circa 7.000 Bewohner zur Verfügung steht. Die ursprünglichen Annahmen sind also bereits heute deutlich überschritten. Die Entwicklungsgeschwindigkeit des „Lyoner Quartiers“ hat sich nach Inkrafttreten des Bebauungsplans Nr. 872 in 2016 noch einmal signifikant erhöht. Bis heute sind insgesamt deutlich über 3.000 Wohnungen realisiert, befinden sich aktuell im Bau oder in der Planung. Mit fortschreitender Entwicklung macht sich eine Zunahme der Projekte bemerkbar, die auf eine Mischung unterschiedlicher Wohnungsgrößen und Wohnformen setzen; auch der geförderte Wohnungsbau gewinnt zunehmend an Boden.

Angesichts dieser Dynamik erscheint die Einschätzung gerechtfertigt, dass sich die ehemalige Bürostadt als sehr aussichtsreicher Standort für Wohnimmobilien mit einem adäquaten Nachfragepotential für vielfältige wohnungspezifische Dienstleistungen und quartierseigene soziale Einrichtungen etabliert hat. Dies bildet eine gute Ausgangslage, um das Ziel, das „Lyoner Quartier“ zu einem attraktiven und lebendigen Stadtteil für mehr als 6.000 Bewohner zu entwickeln, auch zu erreichen.

Parallel zum städtebaulichen Prozess wurde im April 2014 die „Standort-Initiative Neues Niederrad e.V." (SINN) ins Leben gerufen. Getragen von standortansässigen Akteuren hat sich dieses Netzwerk gegründet, um seinen Teil dazu beizutragen, den planerisch angestoßenen Wandel mit Leben zu erfüllen.


Publikationen des Stadtplanungsamtes zum Projekt