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Niederrad am Main

Konzept fr eine sozialvertrgliche Quartiersentwicklung

Thema:
Rahmenplan, Wohnen
Stadtteil: Ortbezirk:
5
Gebietsgröße:
37 ha
Kontakt:

Frau Anita Rosskopf
Telefon: +49 (0)69 212 30477
Telefax: +49 (0)69 212 30731


Projektbeschreibung

Planungsanlass
Modernisierungsrückstände im Wohnungsbestand und Umfeld prägten die in den Jahren 1968 bis 1972 entstandene Siedlung Im Mainfeld.
Um zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation beizutragen, wurde die Siedlung Im Mainfeld 2005 in das Programm „Aktive Nachbarschaft“ aufgenommen, das sich derzeit in der Nachsorgephase befindet.
Parallel dazu wurden neue städtebauliche Entwicklungsmöglichkeiten über die Hochhaussiedlung hinaus für den nördlichen Rand des Stadtteils Niederrad untersucht.

Planungsgebiet
Das 37 ha große Gebiet umfasst den nördlichen Rand des Frankfurter Stadtteils Niederrad. Es liegt zwischen dem Main im Norden, den Universitätskliniken und südlich davon dem Schleusenweg im Osten, der verlängerten Trifelstraße im Westen und dem historischen Ortskern Niederrad (westliche Schwanheimerstraße und Kelsterbacherstraße) im Süden.

Planungsziel
Neben den städtebaulichen, wohnungspolitischen und energetischen Verbesserungen, die in der Magistratsvorlage M 72 detailliert beschrieben sind, sollen auch die Grün- und Freiflächen neu strukturiert werden:

  • In den südlichen Randbereichen des Planungsgebietes, die an den alten Ortsteil von Niederrad grenzen, können noch offene Siedlungsränder durch Neubebauung geschlossen werden. 
  • Der Elli-Lucht-Park bietet durch eine Erweiterung nach Norden fußläufige Verbindungen vom alten Stadtteil Niederrad bis zum Mainufer. An den Rändern, wo sich heute noch private Freizeitgärten befinden, können neue Wohngebäude entstehen.
  • Ein neuer Quartiersplatz ermöglicht einen Übergang vom Elli-Lucht-Park in die Siedlung im Mainfeld, nachdem ein Neubau der Seniorenanlage an anderer Stelle vollzogen ist. 

Der Erfolg des Projektes wird durch die aktuellen Entwicklungen dem Niederräder Norden noch mehr neue Perspektive eröffnen. 

Projektverlauf
Die Erkenntnisse aus den Mainfeldgesprächen sowie das Konzept für eine sozialverträgliche Quartiersentwicklung der Siedlungseigentümerin (Konzern ABG Frankfurt Holding) wurden in den Magistratsvortrag M 72 aufgenommen. Dieser Vortrag wurde am 11.05.2015 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen und wird größtenteils so, wie vorgesehen, umgesetzt.

  • Die Sanierung und energetische Ertüchtigung der sechs Wohnhochhäuser des Konzerns wird im Sommer 2019 abgeschlossen sein. Alle sechs Häuser erhielten zudem neue, attraktiv gestaltete Eingangsbereiche.     
  • Neben dem Haus Im Mainfeld 5 wurde wie angekündigt eine neue Kindertagesstätte errichtet, die im Januar 2019 den Betrieb aufnahm. Heizung und Kühlung erfolgt mittels Geothermie. Anders als ursprünglich angedacht, wird die neue Kindertagesstätte nicht als vorübergehendes Ausweichquartier für das Kinderzentrum 122 benötigt, sondern bietet von Beginn an zusätzliche Kinderbetreuungsplätze in Niederrad, 24 Plätze für Kinder unter 3 Jahren und 63 Kindergartenkinder. 
  • Im Mainfeld 7 entsteht derzeit zu der neuen Kindertagesttätte ein Ergänzungsbau, der die Erweiterung der Kindertagesstätte zu einem Kinder- und Familienzentrum ermöglicht. Die Fertigstellung ist für Juli 2019 geplant. In dem ursprünglichen Konzept für die Quartiersentwicklung im Mainfeld war dieses Neubauprojekt noch nicht enthalten, dafür jedoch ein Familien Cafe, das nun im Rahmen dieses Projektes – mitsamt einer großen Außenterrasse – realisiert wird.     
  • In direkter Nachbarschaft befindet sich das Gelände des Kinderzentrums 122. Das bestehende Gebäude wird abgebrochen und neu errichtet. Als Ausweichquartier werden Container temporär auf dem Bruchfeld untergebracht, der nach Fertigstellung des Kinderzentrums 122 neu gestaltet wird.     
  • Unter der Federführung des Stadtplanungsamtes in Kooperation mit der ABG und einem externen Landschaftsarchitekturbüro wurde ein umfassendes Handlungskonzept für Wohnumfeldverbesserungen im Mainfeld erarbeitet, das neben den Außenanlagen zu den Wohnhochhäusern der Wohnheim und den Wegen durch die Siedlung auch das Außengelände des Jugendtreffs umfasste. Wichtige Eckpunkte waren eine generelle Verbesserung der Aufenthaltsqualität, bessere Angebote für die Jugendlichen, eine Öffnung der Siedlung hin zum Stadtteil und eine Gestaltung, die ein hohes Maß an sozialer Kontrolle ermöglicht und sich positiv auf das subjektive Sicherheitsempfinden der Bewohnerinnen und Bewohner auswirkt. An der Erarbeitung des Handlungskonzeptes waren die Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung und insbesondere auch die Jugendlichen beteiligt. Es fanden Quartiersrundgänge und eine Bewohnerbefragung statt, die Jugendlichen drehten ein Video, um ihre Wünsche zu formulieren. Nachden das Handlungskonzept vorlag, wurde die Ausführungsplanung für ihre Zuständigkeit innerhalb der Siedlung veranlasst. Diese kann jedoch erst ausgeführt werden, wenn die Arbeiten des Kampfmittelräumdienstes abgeschlossen sind.     
  • In direkter Nachbarschaft  des Jugendtreffs (ehemalige Hundeausgehfläche und Teile einer Gartenfläche) wird derzeit auf städtischem Gelände ein Provisorium für die Kooperative Gesamtschule (KGS) Niederrad gebaut.
    Wenn der endgültige Neubau für den Hauptstandort der KGS-Niederrad am Bruchfeldplatz (Salzmannschule) fertiggestellt ist, wird die Fläche des Provisoriums für quartiersbezogene Entwicklungen zur Verfügung stehen.

Sie finden untenstehend, als PDF hinterlegt, die Vorlage M 72 aus dem Jahre 2015 mit weiteren Informationen.


PDF-Dateien zum Projekt


Mehr Informationen

Ideenwettbewerb

Stdtebaulicher Ideenwettbewerb "Niederrad am Main"

Ideen für die Zukunft des Stadtteils Niederrad und der Siedlung am Mainfeld zu entwickeln, war die Aufgabe des vom Stadtplanungsamt Frankfurt ausgeschriebenen städtebaulichen Ideenwettbewerbs "Niederrad am Main". Eine wesentliche Zielsetzung steckte bereits im Titel: Niederrad soll näher an den Main rücken und die Uferstraße nicht länger als Grenze zwischen dem Stadtteil und dem Flussufer wahrgenommen werden.

Die Planungsaufgabe wurde im Rahmen eines offenen zweiphasigen städtebaulichen Ideenwettbewerbs europaweit ausgeschrieben.
Aus 54 Arbeiten wurden 15 Arbeiten für die vertiefte Bearbeitung in der zweiten Phase des Wettbewerbs ausgewählt.
Aus diesen 15 Entwürfen prämierte das Preisgericht, bestehend aus Stadtplanern, Architekten und Vertretern aus Politik und Wirtschaft, am 26.05.2010 zwei zweite Preise und zwei dritte Preise. Zudem wurden drei Entwürfe anerkennend gewürdigt.

Keine der Arbeiten konnte abschließend beantworten, wie in Zukunft mit den Hochhäusern in der Siedlung Mainfeld umgegangen werden soll. Erarbeitet wurden tragfähige Entwürfe, die von einem Erhalt und einer Qualifizierung der Wohnhochhäuser ausgehen, wie auch Konzepte, die einen grundsätzlich neuen städtebaulichen Ansatz vorschlagen. Trotz hoher Qualität zeichnete die Jury daher keinen ersten Preis aus.

Die Preisträger sind:

2. Preis
ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
(28.500,- )

2. Preis
Jo.Franzke Architekten, Frankfurt am Main
mit Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin
(28.500,- )

3. Preis
BS + städtebau und architektur, Frankfurt am Main
mit el:ch landschaftsarchitekten, München
(17.500,- )

3. Preis
CB Landschaften, Berlin
mit o5 architekten + ingenieure, Frankfurt am Main
(17.500,- )


Anerkennungen (mit je 6.433,- ) erhielten die Büros:

  • Siegmüller.vodde, Berlin mit Kuula Landschaftsarchitekten, Berlin
  • Trojan Trojan + Partner, Darmstadt mit Heide Landschaftsarchitekten, Frankfurt am Main
  • M. Hähnig, M. Gemmeke Dipl.-Ing. Freie Architekten BDA, Tübingen mit S. Fromm Dipl.-Ing. Freier Garten und Landschaftsarchitekt, Dettenhausen

 


2. Preis
ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel

Beurteilung der Arbeit durch die Jury des Preisgerichts

Die Arbeit ist im Wesentlichen durch die Weiterentwicklung der vorherrschenden Gebäudetypologien: Punkthaus, Reihenhaus/Blockrand und Zeile geprägt. Die Siedlung Im Mainfeld wird durch 6- bis 8-geschossige Punkthäuser nach Westen und nach Osten ergänzt.

Durch den Entfall von zwei Bestandshochhäusern sowie der Seniorenwohnanlage werden sinnvolle Freiräume geschaffen. Durch den Entfall der Erschließungsstraße Im Mainfeld, die parallel zur Straße Niederräder Ufer verläuft, gewinnt der Verfasser neues Wohnbauland. Zugleich wird der Erschließungsverkehr aus der Siedlung genommen und konsequent auf die begrenzende Erschließungsstraße konzentriert.
Mit der Verlegung des Erschließungsverkehrs wird eine neue Wohnqualität realisiert, besondere Freiraumqualitäten sind jedoch nicht ersichtlich. Die Anordnung der neuen Wohnpunkthäuser wirkt etwas willkürlich und ist zu überarbeiten.

Isometrie, © ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel

Der nördliche Teil der Niederräder Altstadt wird durch Reihenhäuser gefasst, die der Struktur der Altstadtparzellen und -gebäude wohltuend entsprechen.
Das Gebäude der Universitätskliniken erhält durch eine Zeilenbebauung eine neue städtebauliche Kante, die zugleich die notwendige Flexibilität für die Binnenentwicklung bietet.
Der Elli-Lucht-Park wird nach Norden zum Main hin erweitert. Durch die Anordnung der Freizeitgärten am nordöstlichen Rand ist die Öffnung zum Main auch erlebbar. Nach Osten wird der Park über eine Erweiterung („Trittstein“) an die Deutschordenstraße angebunden.

Die vom Verfasser proklamierten Qualitäten „Wohnen in und am Park“ sind nachvollziehbar umgesetzt, eine hohe Qualität der Freianlagen zwischen den Punkthäusern vorausgesetzt. Die Erschließung der Siedlung Im Mainfeld ist durch eine konsequente Verlagerung des fließenden Verkehrs an die Ränder, Ausbildung von Stichstraßen und dezentralen Tiefgaragenzufahrten geprägt.
Die Verlagerung von oberirdischen Stellplätzen an die Straße Niederräder Ufer überzeugt nicht.
Die Ausbildung von Hausgruppen und deren fußläufige Erschließung über die Grünfläche werden begrüßt, hierdurch ist eine Stärkung der Kommunikation der Hausgruppenbewohner zu erwarten. Der ausgewiesene Quartiersplatz ist in seiner räumlichen Ausprägung zu schwach ausgebildet und wird in seiner Notwendigkeit in Frage gestellt.

Detail, © ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel

Insgesamt zeichnet sich der Entwurf durch eine konsequente Verkehrsberuhigung aus und veranschaulicht eine mögliche Strategie der Transformation der Hochhaussiedlung in ein zeitgemäßes Wohnquartier mit neuer Ausstrahlung und Anmutung.


2. Preis
Jo.Franzke Architekten, Frankfurt am Main mit
Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin

Beurteilung der Arbeit durch die Jury des Preisgerichts

Der Entwurf zeichnet sich dadurch aus, dass die Straße Niederräder Ufer zu einer beidseitig bebauten attraktiven Stadtstraße umgestaltet wird, die gleichzeitig Verbindungs- und Erschließungsfunktionen übernimmt. Die zum Main hin orientierte Bebauung wird rhythmisch unterbrochen, so dass an zahlreichen Stellen Wegeverbindungen und Blickbezüge zwischen der Straße Niederräder Ufer und dem Mainufer entstehen.

Die durchgängig als Parkierungsebenen vorgesehene Erdgeschosszone wird sehr kritisch gesehen. Am westlichen Anfang der beidseitigen Bebauung wird ein  „Städtebauliches Tor“ durch einen Kreisverkehr und durch verschiedene Gemeinschaftseinrichtungen und Dienstleistungen hergestellt. Der Verkehr auf der Straße Niederräder Ufer wird durch diesen Kreisverkehr und durch die zahlreichen Querungsstellen der Nord-Südwege beruhigt.

Isometrie, © Jo.Franzke Architekten, Frankfurt am Main mit Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin

Die vorhandenen Parkanlagen Elli-Lucht-Park und Haardtwaldplatz werden großzügig zum Main hin geöffnet. Der Elli-Lucht-Park wird mit der Deutschordenstraße verbunden, wodurch eine Grünvernetzung mit der Rennbahn erreicht wird. Die Kniebisstraße wird bis zum Main verlängert und zu einer Allee umgestaltet. Entlang des Mainufers wird ein durchgängiger Uferweg vorgeschlagen. Die uferbezogenen Flächen der Wassersportvereine werden am Mainufer belassen, die Vereinshäuser
sollen aber an die Straße Niederräder Ufer verlagert und im Sockel der dort vorgeschlagenen Punkthäuser untergebracht werden. Auch wenn dieser Vorschlag sicher nicht einfach zu realisieren sein wird, rechtfertigen die zu erwartenden wesentlichen Vorteile die möglichen Schwierigkeiten. Der Vorschlag, die beiden Kitas im Übergangsbereich zum alten Ortskern anzuordnen, garantiert die soziale Verflechtung zwischen den Bewohnern des alten Ortskerns und der neuen Bebauung. Im mittleren Bereich soll eine offene Blockrandbebauung entstehen.

Entlang der Verlängerung des Schleusenwegs werden mehrere Wohngebäude in attraktiver, zum Elli-Lucht-Park orientierter Lage vorgeschlagen. Diese Bebauung ermöglicht in der ersten Realisierungsphase die Errichtung zusätzlicher Wohnungen ohne Abbruch vorhandener Wohnungen. Die zum Park hin gelegenen Privatgärten müssen allerdings, damit Probleme zwischen öffentlichen und privaten Flächen vermieden werden, deutlich am Park begrenzt z.B. angehoben werden.

Detail, © Jo.Franzke Architekten, Frankfurt am Main mit Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin

Die mit dem Entwurf verbundene Inanspruchnahme von Teilen des Überschwemmungsgebiets muss vermieden werden (etwa durch eine Verschiebung der neuen Uferstraße oder durch eine stärkere Abknickung ihrer Linienführung). Ebenso ist zu prüfen, wie der vorhandene Kanal unterhalb der Straße Niederräder Ufer in den Vorschlag integriert werden kann.

Insgesamt zeigt der Entwurf eine interessante Möglichkeit auf, wie Niederrad mit dem Main verbunden und die Trennwirkung der Uferstraße beseitigt werden kann.


Mainfeldgesprche

Modellvorschlag für neue Wohnhäuser, © stadt.bau.plan

Auf Grundlage der Ergebnisse der bisherigen Planungswerkstätten für Niederrad und der Ergebnisse des städtebaulichen Ideenwettbewerbs aus dem Jahre 2009/2010 hat das Stadtplanungsamt ein städtebauliches Konzept in zwei Varianten erarbeitet. Das Konzept geht von einem weitgehenden Erhalt der Siedlung aus und macht Vorschläge zur Verbesserung der zu ergänzenden Wohnungsneubauten und zur Verbesserung der Freiraum- und Erschließungsqualitäten im Bereich der Mainfeld Siedlung.

In drei „Mainfeldgesprächen“ wurden mit den Mietern, interessierten Bürgerinnen und Bürgern und den Stadtteilpolitikern die Vor- und Nachteile der beiden Varianten diskutiert. Schwerpunkthemen stellten die Vorschläge zu einem neuen zentralen Quartiersplatz für die Mainfeld Siedlung, die Vorschläge für neue Wohngebäude und letztlich für die Erweiterung des Elli-Lucht-Parks dar.

Alle drei Veranstaltungen fanden im Kulturzentrum Mainfeld, Im Mainfeld 6, statt.